Vitamin D2

Was ist wichtiger bzw. hat eine größere gesundheitliche Wirkung: Vitamin D3 oder das D2? Bildquelle: andriano.cz / Shutterstock.com

Vitamin D ist für das reibungslose Funktionieren einer Vielzahl an Prozessen des Körpers zuständig. Es ist als das Sonnenvitamin bekannt und die meisten Menschen wissen, dass es sich dabei um das einzige Vitamin handelt, welches nicht durch die Nahrung aufgenommen werden muss, und der Körper durch eine endogene Synthese selbst herstellen kann.

Trotzdem leidet ein erschreckender Großteil der Menschen in Nordeuropa und auch in Deutschland an einem schwerwiegenden Vitamin-D-Mangel – hier ist eine Supplementierung sinnvoll, um die Ernährung zu ergänzen und den Wert im Blut zu erhöhen, um so einen Mangel auszugleichen. Wissenschaftler bestätigen in zahlreichen Studien, dass Vitamin D das Immunsystem unterstützt und damit sehr gut vor Infektionen schützt, oder für starke Knochen und Muskeln sorgt.

Doch da sich Präparate nicht nur in ihrer Konsistenz, Form oder Intensität verändern, sondern auch in der Art des Vitamins, das sie eigentlich enthalten, stellt eine Nahrungsergänzung für einige Menschen eine Herausforderung dar, dabei spielt die Einnahme des richtigen Vitamins nicht nur für die individuelle Lebensweise, sondern auch für den Wunscheffekt eine ausschlaggebende Rolle!

Was ist der Unterschied zwischen Vitamin D3 und Vitamin D2?

Vitamin D3 und Vitamin D2 unterscheiden sich überwiegend in ihrer Art der Gewinnung. Es handelt sich um verschiedene Formen von Vitamin D, die beide über die Nahrung aufgenommen werden oder als Nahrungsergänzungsmittel die Gesundheit unterstützen können.

Vitamin D3 kann über eine endogene Synthese vom menschlichen Körper mit Hilfe der Sonne über die Haut gut selbst hergestellt werden. Lediglich im Winter ist es aufgrund der schwachen Sonne nicht möglich, Vitamin D zu produzieren. Für eine endogene Synthese müssen UV B Strahlen einer bestimmten Intensität auf die Haut treffen, außerdem darf die Sonne nicht zu flach stehen. Das UV Licht von Solarien kann im Winter dazu beitragen, einen Mangel zu verhindern. Außerdem ist Vitamin D3 in der Nahrung besonders in tierischen Lebensmitteln enthalten. Unter den Spitzenreitern befinden sich Hochseefische wie Hering, Makrele oder Lachs, doch Knochenfischgattung, der Aal, führt die Tabelle an. Hoch im Kurs befinden sich außerdem Milchprodukte oder Innereien.

Vitamin-D3-Präparate werden aus Lanolin oder Lebertran hergestellt. Lanolin ist ein Sekret, das aus den Talgdrüsen der Schafe stammt und bei der Wäsche von Schafwolle gewonnen wird. Bei Lebertran handelt es sich um ein Öl, das aus der Leber von Hochseefischen gewonnen wird, aber auch von Haien oder Rochen, nicht aber von Walen. Zur Herstellung von typischen Vitamin-D3-Präparaten werden damit tierische Produkte verwendet, die nicht von denjenigen Personen, die sich für eine rein pflanzliche Lebensweise entschieden haben, eingenommen werden können.

Eine Ausnahme bildet spezielles Vitamin D3, welches aus Rentierflechte gewonnen wird. Rentierflechte bezeichnet die einzige Pflanze, die wie der Mensch in der Lage ist, durch eine Synthese mit Hilfe von Tageslicht Vitamin D3 zu bilden. Sie trägt ihren Namen, da sie der Hauptbestandteil der Nahrung von Rentieren darstellt. Lanolin, das auch Wollwachs genannt wird, ist übrigens für Vegetarier geeignet, da die Tiere lediglich geschoren und ihr Fell gewaschen wird. Ihnen wird dabei kein Schaden zugefügt. Diese Form des Vitamins wird auch Cholecalciferol genannt.

Vitamin-D2-Nahrungsergänzungsmittel, die Ergocalciferol enthalten, werden hingegen rein pflanzlich hergestellt, sodass eine Einnahme von Vitamin D2 generell für Vegetarier und auch Veganer geeignet ist. Die hauptsächlichen Vitamin-D2-Lieferanten stellen dabei Pilze und Flechten, symbiotische Lebensgemeinschaften zwischen einem Pilz und einem oder mehrerer Partner dar, die Photosynthese betreiben. Diese Pflanzen sind in der Lage, Vitamin D2 durch eine photochemische Reaktion mit Hilfe von Tageslicht zu bilden – die Herstellung erinnert stark an die endogene Synthese von Vitamin D des Menschen.

Doch sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Herstellung, sondern auch in ihrer Effektivität. Vitamin D3 wird eine deutlich stärkere Wirkung nachgesagt als Vitamin D2. Das liegt vor allem an der Kürze der Halbwertszeit der Form und an ihrer geringen Affinität zu wichtigen Mitspielern.

Beide Formen der Supplementation werden in Kombination mit weiteren Nährstoffen, etwa mit Vitamin K2 angeboten, um den Calcium Haushalt ideal zu regulieren und die Knochen vor Erkrankungen wie Osteoporose zu schützen. Eine präventive Wirkung der Stoffe wird in Studien bestätigt. Gemeinsam bauen sie das Calcium ordnungsgemäß ein. Beide Vitamine, sowohl D2 als auch D3, können während einer Schwangerschaft eingenommen werden.

Vitamin D2 und Vitamin D3 Unterschiede

 Vitamin D2
Vitamin D3
Vorkommen in
Pflanzlichen LebensmittelnTierischen Lebensmitteln
Lebensmittel mit dem höchsten Gehalt des Vitamins
Pilze, AvocadoAal, Hochseefische, Milchprodukte (Käse, Milch, Margarine) oder Innereien
Wird als Nahrungsergänzungsmittel aus folgenden Produkten hergestellt
Pilze oder FlechtenLanolin oder Lebertran, seltener Rentierflechte
Für Vegetarier geeignet?
JaLanolin ist für Vegetarier geeignet
Für Veganer geeignet?
JaIn der Regel nicht, spezielle Präparate aus Rentierflechte ja
Vorteile
- Sowohl in Lebensmitteln als auch als Präparat für Veganer geeignet
- Herstellverfahren ethisch zu hundert Prozent vertretbar
- Stärkere Wirkung als Vitamin D2
Nachteile
- Geringere Affinität zu Vitamin-D-Rezeptoren, Vitamin-D-Hydroxylase und zum DBP
- Geringerer Effekt auf den Anstieg des Vitamin-D-Spiegels im Blut
- Lebensmittel nicht für Veganer und größtenteils nicht für Vegetarier geeignet, Präparate ebenfalls nur teilweise

Vitamin D2 in Europa kaum bekannt

Beschäftigt man sich mit den Wegen der Gesundheit, stellt man fest, dass eine Supplementierung durch Vitamin D2 eine lange Zeit als gleichwertig zu Vitamin D3 angesehen wurde. In einigen Ländern verwendet man längst fast ausschließlich Vitamin D3, wie zum Beispiel in Europa, doch die Bewährung einer internationalen Einheit (IE), die für beide Formen des Vitamins genutzt wird, von der eine einzige Einheit von Vitamin D2 dieselbe Gewichtung hat wie eine von Vitamin D3. Vitamin D2 in Europa kaum bekannt

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde mit Vitamin D2 angereicherte Kuhmilch verwendet, um die Epidemie der Rachitis in den Griff zu bekommen, und es hat funktioniert. Schnell kristallisierte sich jedoch heraus, dass eine andere Form des Vitamins, das Cholecalciferol, eine bedeutend stärkere Wirkung hat und einen größeren gesundheitlichen Nutzen. Seitdem gilt Vitamin D3 als die biologisch wirksamere Form.

Doch in anderen Staaten – das beweist die Internationale Einheit – zum Beispiel in den USA – ist es noch immer üblich, Vitamin D2 als Wirkstoff in Präparate einzusetzen. Auch die hochdosierten Medikamente, die von Ärzten empfohlen und in Kliniken eingesetzt werden, enthalten fast ausschließlich noch immer Vitamin D2. Warum ist das so, und handelt es sich bei Vitamin D3 wirklich um die bessere Form?

Welche Form ist wirksamer?

Ein Beitrag, der von der American Society for Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, bestätigt, dass Vitamin D2 oder Ergocalciferol längst nicht mehr als Nährstoff betrachtet werden sollte, der zur Nahrungsergänzung dient oder zur Anreicherung von Lebensmitteln geeignet wäre. Vitamin D3 hat sich als die leistungsfähigere Form für alle Arten der Primatenspezies erwiesen, auch für den Menschen. Zum Vorschein kommendes Beweismaterial weist auf zahlreiche nachvollziehbare Erklärungen für eine höhere Bioeffizienz von Vitamin D3 hin.

Vitamin D3 wird eine deutlich effektivere Wirkung zugeschrieben als der pflanzlichen Variante. Die 25(OH)D-Werte im Blutserum werden durch eine Supplementierung mit Vitamin D3 deutlich stärker angehoben im Vergleich zu Vitamin D2.

Seine Nachteile in der Wirksamkeit liegen zum einen an der kürzeren Plasma-Halbwertszeit von Vitamin D2. Mit ihr geht einher, dass es schneller aus dem Körper ausgeschieden wird und die Vitamin-D-Werte schneller absinken. Doch seine geringere Affinität zum Vitamin-D-bindenden Protein (DBP), das ein Molekül bezeichnet, welches für den Transport von Vitamin D durch den Blutstrom zuständig ist, und zur hepatischen Vitamin-D-Hydroxylase, stellt einen weiteren kritischen Faktor dar. Nur Vitamin D3 wird in der Leber in seine aktive Form umgewandelt. Auch eine geringe Neigung zu den Vitamin-D-Rezeptoren zeichnet Vitamin D2 aus, wodurch sich eine Aktivierung schwieriger gestaltet und eine Deaktivierung früher in die Wege geleitet wird.

Vitamin D2 ist deshalb nur bedingt zur Supplementierung geeignet, weshalb Personen, die tierische Lebensmittel verzehren, eher zu Vitamin D3 greifen sollten.

Vitamin D3 ist effektiver, jedoch in der Regel nicht für diejenigen Personen geeignet, die sich rein pflanzlich ernähren, da es aus Lanolin oder Lebertran gewonnen wird. Doch auch für Veganer gibt es mittlerweile eine ideale Alternative, die es ihnen ermöglicht, ihre Lebensweise zu vertreten, ohne auf die Wirksamkeit von Vitamin D3 verzichten zu müssen. Sie lautet: Rentierflechte. Es handelt sich dabei um eine Art, die als einzige Pflanze in der Lage ist, Vitamin D3 mit Hilfe von Tageslicht herzustellen, welches identisch zu tierischem Vitamin D3 ist. Vegan lebende Menschen müssen also auf nichts verzichten, und eine Supplementierung durch Vitamin D3 stellt für alle Personengruppen die bestmögliche Einnahmeform dar.

Studien zu Vitamin D3 vs D2

Vitamin D3 steigert den 25(OH)D-Wert im Blutserum leistungsstärker als Vitamin D2

Eine Studie aus Toronto bestätigt, dass die Behauptung eines gleichen Nährwerts zwischen Vitamin D2 und Vitamin D3 falsch ist und neu überlegt werden sollte.

Für alle Spezies, die bei Untersuchungen berücksichtigt wurden, werden die biologischen Unterschiede zwischen Vitamin D2 und Vitamin D3 als Fakt akzeptiert. Um die Anmaßung einer Gleichwertigkeit zu analysieren, haben Wissenschaftler die Fähigkeit gleicher Molmengen von Vitamin D2 und Vitamin D3 verglichen, um die 25(OH)D-Werte zu erhöhen – das Maß der Vitamin-D-Versorgung. Die Teilnehmer haben 4.000 IE Vitamin D2 oder Vitamin D3 täglich für vierzehn Tage eingenommen. Das 25(OH)D wurde anhand einer Methode gemessen, die sowohl Vitamin D2 als auch Vitamin D3 als Form im Körper erkennt.

Die Werte der Patienten, die Vitamin D3 eingenommen haben, haben sich in nur zwei Wochen durchschnittlich von 16 auf 26 ng/ml gesteigert, wohingegen sich die Werte der Vitamin-D2-Gruppe nur von 17 auf 22 ng/ml angehoben wurden – und das bei einer gleichen Höhe der Zufuhr.

Die Studie belegt eine deutlich höhere Wirksamkeit von Vitamin D3 im Vergleich zu Vitamin D2 und wiederlegt damit eine Gleichwertigkeit der beiden Formen deutlich. Die exakten Ergebnisse der Forscher weisen auf eine gar doppelt so hohe Effizienz von Cholecalciferol hin.

Unterschiede in der Wirkungsweise von Vitamin D2 und Vitamin D3

Eine Untersuchung bezüglich der Wirkung und des Metabolismus von Vitamin D2 und Vitamin D3 kommt auf ein ähnliches Ergebnis:

Vitamin D3 fördert eine Zunahme der 25(OH)D-Werte nur geringfügig mehr, aber maßgeblich.

Es wird davon ausgegangen, dass Vitamin D2 und Vitamin D3 aufgrund ihres unterschiedlichen Stoffwechsels unterschiedliche Effekte auf den 25(OH)D-Spiegel ausüben. Die Forscher weisen auf einen Kontrast in der Vitamin-D-Hydroxylase hin und drücken ihre Annahme aus, dass weitere enzymatische Abweichungen die Ursache für die wahrgenommenen Unterschiede bezüglich des Anstiegs des 25(OH)D-Wertes darstellen könnten.

Darüber hinaus wird in der Studie demonstriert, dass eine Dosierung mit Vitamin D2 die Zirkulation von 25(OH)D verringert.

Die Beobachtungen und Ergebnisse bestärken einen besseren Effekt von Vitamin D3, es erhöht den Spiegel mehr als Vitamin D2, das nicht mehr als gleichwertig betrachtet werden sollte.

Eine Supplementierung mit Vitamin D2 oder D3 in der Höhe von 50.000 IE, die nur einmal im Monat erfolgt, stellt keine Adäquatheit sicher.

Es empfiehlt sich daher, eine Nahrungsergänzung nach der Anfangstherapie, die hochdosiertes Vitamin D beinhält, auf Präparate mit gewöhnlich dosiertem Vitamin D3 umzusteigen.

Fazit zu Vitamin D2 und D3

Sowohl Vitamin D2 als auch Vitamin D3 können über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden. Liegt aufgrund einer fehlenden endogenen Synthese über die Haut ein Mangel vor, etwa weil die Sonne im Winter zu niedrig steht, eignen sich beide Formen für eine Supplementation, dem Vitamin D3 wird jedoch eine deutlich stärkere Wirkung nachgesagt. Sie fördern die Gesundheit und das Immunsystem, stärken die Knochen oder senken das Risiko diverser Krebsarten. Als optimal wird zur Ergänzung der Ernährung eine Einnahme in Höhe von 50 µg bis 75 µg pro Tag angesehen. Verschiedene Personengruppen weisen jedoch einen höheren Bedarf an Mikrogramm µg pro Tag auf.

Eine Einnahme von Kombiprodukten sinnvoll sein, da Vitamin D auf weitere Nährstoffe angewiesen ist, um eine ideale Wirkung zu erzielen. Eine zusätzliche Ergänzung mit Vitamin K2 wird empfohlen, die Vitamine arbeiten im Bereich der Knochen und der Regulation von Calcium zusammen und senken mitunter das Risiko einer Osteoporose.

Beide Formen können in einer Schwangerschaft eingenommen werden, Vitamin D senkt mitunter das Risiko einer Frühgeburt, dieser Effekt wird in zahlreichen Studien belegt.